Dienstag, 28. Oktober 2008

Erfolgreich Bloggen - wie ich versuchen werde meine Blogs erfolgreich zu vermarkten!

Ein immer größerer Teil der Mails, die hier eintrudeln, kommt von jungen Menschen, die ebenfalls gerne bloggen wollen und nicht so richtig wissen, wie sie anfangen sollen. Obwohl meine erste Reaktion auf solche Anfragen bisher immer „Einfach anfangen!“ war, wurde mir schnell klar, dass die Fragen in eine andere Richtung gingen und eigentlich lauten sollten:

„Wie werde ich ein erfolgreicher Blogger mit Millionen von LeserInnen?“

Nun. Das ist wirklich ganz einfach. Denn es gibt doch die „10 Regeln für erfolgreiches Bloggen“!

Erfolg-Regel Nummer 1: Ich habe einen Blog, bevor du einen hast!

Ein schlechter Blog wäre einer mit 3 Einträgen. Das bedeutet natürlich nicht, dass man sich als Neublogger mit dem Schreiben eigener Artikel, dem Finden seines eigenen Stils oder gar mit Experimenten mit dem Medium herumschlagen muss. Es bedeutet nur, dass man durch zurückdatierte Artikel so tun muss, als wäre man schon länger „dabei“.

Hierzu musst du die in den meisten Blog-Systemen integrierte Funktion nutzen zum Anpassen des Post-Datums und füllst deinen Blog für einige vergangene Monate mit irgendwelchen Inhalten auf. Die wenigsten Leser haben Zeit, im Archiv rückwärts zu blättern und so wird es kaum jemand bemerken, dass das im Eintrag „ROTFLMAO!“ mit dem Satz „Das müsst ihr euch unbedingt reintun!“ verlinkten, unglaublich witzige Bild gar nicht exisitiert. Auch die Tatsache, dass die 24 Einträge von März bis Oktober 2004 aus Golem-, heise- und SpOn-Links bestehen, die sich mit so einem Thema Windows-Viren beschäftigen, wird nicht weiter auffallen.

Wem das manuelle Auffüllen seigenes Blogs zuviel Arbeit macht, der beginnt sein neues Online-Dasein schlicht mit dem folgenden Eintrag (bitte einfach kopieren und einfügen):

„Nach fünf Jahren habe ich das Blogsystem und meinen Provider gewechselt, das alte System fiel einfach zu oft aus und hat mir am Ende meine gesamte Datenbank geschrottet. Inklusive Kommentaren. Vielen Dank an meine Kollegen für die Hilfe, die leider nicht viel genützt hat und ein herzliches Fuck off! an [hier bitte irgendeinen Provider einsetzen, der zu beschäftigt ist, um sich mit deinen Beleidigungen zu beschäftigen]. Nun dann, fangen wir also wieder komplett neu an.“

Erfolg-Regel Nummer 2: Blogroll zuerst!

Eine Blogroll, also Links zu anderen Blogs, ist das A bis Z für den Erfolg. Etwa die Hälfte der Blogs, auf die das eigene Blog per Blogroll verlinkt, werden wieder auf dich zurücklinken. Aus schlechtem Gewissen, dass sie dich noch nicht kennen und als Dankeschön, dass du sie verlinkst. Es spielt dabei keine Rolle, ob du die verlinkten Blogs tatsächlich liest oder überhaupt kennst. Kopiere dir einfach eine Mischung aus den Blogrolls von anderen zusammen, je mehr Links, umso besser.

Regel Nummer 3: Kommenare sind wichtiger als eigene Artikel

Die meisten Blogs verlinken den Namen eines Kommentators mit eigenen Blog. Massig Platz für Eigenwerbung also. Hol’ dir bei blogcounter oder blogstats die meistbesuchten Blogs und misch dich dort in Diskussionen ein. Besonders erfolgreich sind hierbei aggressive und radikale Äußerungen sowie Beschimpfungen von anderen Kommentatoren, denn jeder wird deinen Namen anklicken um nachzusehen, wer wieder dieser Idiot wieder ist. Das bringt Traffic, der natürlich aufgefangen werden muss- deine aktuellsten eigenen Einträge müssen also auf diesen Ansturm vorbereitet sein. Falls es kein Thema gibt, von dem du wirklich Ahnung hast, benutze Kryptik, um dich interessant zu machen. Einträge mit dem Titel „Wittgenstein hatte Recht!“, deren Inhalt aus drei unzusammenhängenden italiänischen Worten besteht und auf eine japanische Website für Pediküre verweist sind ebenso geeignet wie Fotos, die man auf flickr unter dem Tag „strange“ gefunden und mit „Geschichte wird gemacht“ überschrieben hätte.

Erfolg-Regel Nummer 4: Immer mysteriös und gemein

Schreibe immer nur in Rätseln über dich selbst. Gib den Lesern das Gefühl, du könntest eine geile Frau sein. Einträge wie „Heute Abend in Hamburg: Bestimmte Schuhe fühlen sich für bestimmte Begegnungen falsch an“ bieten viel Platz für die Fantasie deiner unzähligen Besucher, selbst wenn du vom Hobby-Kicken mit Kumpels redest. Auch immer gut: Einträge wie „19.30h: Ich bin schon ganz aufgeregt!“ einfach ohne weitere Hinweise.

Benutze bei nicht mysteriösen Einträgen obszöne Sprache. Suche dir einfach bekannte Opfer (immer gerne: SpOn-Journalisten, andere bekanntere Blogger, Soap-DarstellerInnen, der Papst), zitiere irgendeinen Text oder poste mal ein geklautes Foto von ihnen und gib ihnen in deinem Artikel Tiernamen. Sobald das Thema „Blog“ in einem Medium auftaucht, das deine Eltern benutzen, muss harte Fäkalsprache zum Einsatz kommen. Handelt es sich um die Bild-Zeitung, muss zusätzlich „kotzen“ in einem Artikel vorkommen.

Erfolg-Regel Nummer Regel 5: Stelle immer technische Fragen

Besonders in Kombination mit dem ersten Absatz von Regel 4 erweisen sich oft technische Fragen als Publikumsmagnet. Blog-Leser sind immer hilfsbereit. Die Art der Frage ist relativ egal, beachte jedoch, dass nur Vokabeln aus der Open-Source-Bewegung auftauchen sollten. Am besten die Stichworte PHP, MySQL, Apache und Linux sollten genügen. Beispiel: „Ist es möglich, dass sich der Apache nicht mit der PHP-Version verträgt, die ein Freund mir auf einem Linux-Server eingerichtet hat? Oder liegt das dann eher an MySQL? Ich kenn’ mich damit nicht so aus…“. Immer wieder gut funktioniert auch das Bashing von Windows- oder anderen Macintosh-Systemen (die Richtung ist ziemlich egal), für fortgeschrittene und ganz mutige Neublogger empfehle ich das laute Sinnieren über die Chancenlosigkeit von Linux als Betriebssystem für den normalen Verbraucher. Das bringt dir aber Hits, garantiert!

Erfolg-Regel Nummer 6: Bilder oder Fotos

Lesen ist langweilig und auch anstrengend. Nimm deine Handy-Kamera und fotografiere einfach jedes weibliche Wesen, das deinen Weg kreuzt. Poste die Bilder mit kurzen Titeln wie „ Nummer 12″, „Danke, L.!“ oder „Wir sind Helden“, um nicht in den Verdacht zu kommen, du würdest die Bilder nicht aus künstlerischen Gründen veröffentlichen. Auch immer gut: Verwackelte Fotos aus irgendeiner Kneipe unter dem Titel „Blogtreffen“, die ein soziales Umfeld suggerieren. Der entsprechende Text dazu sollte dann mit Alkohol, Sex oder Drogen zu tun haben. Am besten alles zusammen. Beispiele: „Wo waren eigentlich Eugen und Alhambrat nach 1 Uhr plötzlich (grins)?“ oder „Ich weiß nicht, ob missyEliot69 schon wieder wach ist, aber ich bin es ja auch noch nicht (megagrins)“.

Erfolg-Regel Nummer 7: Der gute alte Service

Benutze jeden vorstellbaren Blog-Service, den du bei anderen Blogs gesehen hast. Guck mal nach Technorati, del.icio.us, flickr. Das sind nur Einstiegspunkte, die man nicht verstehen, sondern nutzen sollte. Es gibt noch viele mehr. Trag’ dich in alle Blog-Directory ein, das du finden kannst. Melde dich bei sonstigen kostenlosen Blog-Service an, den es gibt und verweise im einzigen Artikel mit deiner URL darauf, dass dein Blog umgezogen ist.

Erfolg-Regel Nummer 8: DasVerlinken!

Die Blogosphäre ist ein Netzwerk aus viele Verweisen. Also verweise. Natürlich nicht auf x-beliebige Sites, nur weil sie dir mal aufgefallen sind, sondern auf Sites mit vielen Zugriffen. Denn in vielen Systemen taucht dann auch dein Verweis per Trackback in den Kommentaren oder an anderer Stelle des jeweiligen Blogs auf und schon ist wieder ein Link auf deinen Blog entstanden. Tu einfach im begleitenden Text so, als würdest du die MacherInnen des verlinkten Blogs sehr gut kennen. Nenne also nicht den Blognamen, sondern den Namen des Autors (steht oft unter dem Artikel oder im Impressum). „Felix“ statt „wirres“, „Jörg“ statt „Schockwellenreiter“ und so weiter. Trau’ dich, in deinem Kommentar zu diesen Blogs die komplette Gegenposition einzunehmen, denn dann besucht dich vielleicht sogar der Original-Autor. Hierfür reicht meist der Link mit dem Hinweis „Spinnt er jetzt komplett?“, der deine regelmäßige Lektüre des jeweiligen Blogs vortäuscht.

Erfolg-Regel Nummer 9: Stöckchen

Mache einfach jeden erdenklichen Scheiß mit. Absolut Jeden! Erfinde uninteressante Listen, die du dann wieder selbst beantwortest und leite sie mit den Worten „Dieses Stöckchen wurde mir gerade zugeworfen“ ein. Leite die Liste (nur die Fragen) mit einem Link auf deine eigene Site an etwa 200 dir persönlich völlig unbekannte Blogger weiter (Achtung! Hier ausnahmsweise nicht die bekannteren Sites nehmen, sondern innerhalb der Blog-Service-Communities nach den meistbesuchtesten Blogs suchen!). Gute Ansätze für Listen sind „Dinge, die ich ganz unten in meinem Schrank gefunden habe“, „100 Wörter, die ich noch nie getippt habe (außer jetzt gerade)“ und „Die 10 Regeln für erfolgreiches Bloggen“.

Erfolg-Regel Nummer 10: Mix dich ein

Die vieldiskutierten Themen sind oft und leicht zu finden, eine Handvoll RSS-Feeds reichen zur Recherche völlig aus. Schreibe einen eigenen Artikel zum Thema, sobald auch nur drei verschiedene andere Blogs es dann auch verfolgen. Es spielt dabei keine Rolle, ob dich das Thema interessiert oder ob du dazu irgend etwa zu sagen hast, es genügt, aus den anderen Blogs zu zitieren und mit der Frage „Was meint ihr zu dieser Sache?“ abzuschließen.

Bei Beachtung dieser 10 Regeln solltest du innerhalb von einem Monat ein erfolgreiches, vielbesuchten Blog haben. Vorsichtshalber solltest du dir vor dem Start jedoch ein Pseudonym zulegen. Falls es doch nicht klappen sollte!